


Kann uns das, worüber wir zu lachen vermögen, weil es der Lächerlichkeit preisgegeben werden könnte, noch schrecken? Oder verliert es mit dem Mythos auch seine Macht? Brecht jedenfalls vertraute darauf. Und so beschrieb er den ebenso unglaublichen wie aufhaltsamen Aufstieg eines kleinen Mannes als eine unterhaltsame Mischung aus Politposse und Ganovenschnurre im Chicago der 30er Jahre. Die Zeiten sind lausig, selbst für Verbrecher. Wenn kein Geld unter den Leuten ist, kann man keinen übers Ohr hauen, oder nur im ganz großen Stil. Die Krise macht selbst in der Unterwelt nicht halt. Da ist kaum Geld zu machen. Auch keine Kohle mit Kohl. Der Trust der Kohlhändler steht vor dem Ruin. Windige Zeiten fordern findige Köpfe. Arturo Ui, wenn auch nicht besonders intelligent, so doch voller Tatendrang und krimineller Energie, wittert seine große Chance und bietet, nicht ganz selbstlos, seine Dienste an. Wozu ist er Gangsterboss? Mittels Erpressung will er die kleinen Ladenbesitzer zum ausschließlichen Kauf ihres Kohls vom Trust drängen. Doch Ui stößt nicht auf Gegenliebe. Der Trust lehnt dankend ab und setzt die Hoffnungen auf den biederen Dagsborough. Und weil eine Hand die andere wäscht, beginnt nun eine unheimliche Allianz von Geschäft und persönlichem Vorteil, öffentliche Gelder wandern in private Taschen. Derweil verkommt Arturo Uis kriminelle Kleinarmee in Untätigkeit und Langeweile. Als die Korruptionsgeschäfte schon zum Himmel stinken, sieht Ui seine zweite Chance. Er kriecht erneut als intriganter Schleimer, bietet Hilfe beim Vertuschen und wird wieder unsanft vor die Tür gesetzt. Doch die Affäre ist nicht aufzuhalten, die kleinen Steuerzahler fordern Rechenschaft. Ui wächst über sich hinaus, stachelt des Volkes Zorn an und zieht schließlich ins Stadthaus ein. Von einem Schauspieler für seine neue Rolle als Führer bestens präpariert, plustert sich der kleine Mann zum Diktator auf und bleibt doch ein jämmerlicher Winzling. Die Gesten beherrscht er perfekt. Je mehr Macht dem Mächtigen zuwächst, desto absurder wird sein Gebaren. Er ist ein Ungeheuer, über dessen Monstrositäten man nur lachen kann. Aber aus dem kurzweilig-amüsanten Reigen des Verratenwerdens wird unversehens ein bedrohlicher Totentanz. Geschichte wird zum Greifen nah und schließlich von der Gegenwart eingeholt.
Brechts Parabel ist mehr als ein historisches Lehrstück über den Aufstieg des Herrn Schickelhuber zu Adolf Hitler. Denn unbedingter Machtwille, Korruptheit und Kapital haben noch stets unheilvolle Allianzen geschlossen - an vielen Orten der Welt. Doch ihr Aufstieg ist nicht unaufhaltsam.