












Ein Drama voller Fragen ist Lessings "Emilia Galotti", ein Stück des Bühnenrepertoires, entstanden am Vorabend der französischen Revolution, mit Bezug auf einen altrömischen Stoff, ein Stück für heute? Schulstoff? Publikumsmagnet? Lessings bürgerliches Trauerspiel handelt von dem Bürgermädchen Emilia, das, um nicht in der Nähe der Mächtigen korrumpierbar zu werden, den Tod wählt. Dieses Ereignis wirft eine schwerwiegende Frage auf. Kann man - und wenn ja, wie? - im Einflussbereich von Macht und Politik seine Unbestechlichkeit bewahren? Der Prinz Gonzaga lässt die junge Frau an ihrem Hochzeitstag entführen, doch um seinen Verführungskünsten nicht zu erliegen, sucht Emilia den Tod. Wie "eine Rose (will sie) gebrochen (sein), ehe der Sturm sie entblättert." Denn Emilia weiß um ihre Verführbarkeit und will an den moralischen Grundsätze, die ihr Vater an sie weitergegeben hat, festhalten. Eine private Tragödie oder ein politisches Drama? Ein moralisch überholter Stoff oder das aktuelle Thema der Gefährdung des Menschen korrupt zu werden?