• Spielzeit 2016 | 2017

222 VBE

Das Thomas-Müntzer-Theater zählte 222 VbE (das sind "Vollbeschäftigten-Einheiten", also Mitarbeiter). Müller-Kuhl hatte mit ganz anderen Problemen zu kämpfen:
 
"Aussage der bautechnischen Stellungnahme der Staatlichen Bauaufsicht des Rates des Kreises: Die Überprüfung des Objektes Thomas-Müntzer-Theater ergaben erhebliche schwerwiegende Verstöße gegen die Bestimmungen des bautechnischen Brandschutzes (TGL 10731 Versammlungsstätten). Eine Beseitigung dieser Unzulänglichkeiten ist aufgrund der vorhandenen Bausubstanz ökonomisch nicht vertretbar und würde im Aufwand einem Neubau gleichkommen.
Im Ergebnis der Überprüfung wurde das Objekt Thomas-Müntzer-Theater zur Sperrung vororientiert."
 
Es folgten seitenlange, kaum zu erfüllende Auflagen. Dennoch gelang es dem TMT, der "Sperrung", die einer Schließung gleichgekommen wäre, zu entgehen.
 
Nur einmal noch funkte die Feuerwehr dazwischen. Als Ende der 70er der erste Bühnenball im Theater stattfinden sollte, untersagte das der Brandschutzbeauftragte kurzfristig. Zum Glück half das Kulturhaus der Mansfelder Bergarbeiter. Die Ball-Gäste bestiegen Busse am Theater und wurden zum Kulturhaus gefahren.
 
Der Bühnenball hatte derartigen Erfolg beim Publikum, dass er in den folgenden Jahren bis zur Wende wiederholt wurde. Die letzten Bühnenbälle, die im Wiesenhaus gefeiert wurden, fanden an vier hintereinander folgenden Tagen statt und waren restlos ausverkauft.
 
In den 80er Jahren konsolidierte sich das TMT endgültig in der Region, die damals noch "Territorium" hieß. Abstecher- und Besucherzahlen waren solide und verlässlich. Unter Klaus-Dieter Brauns und ab 1987 unter Frank Hofmanns Leitung wurde ein Spielplan realisiert, der sich an den Bedürfnissen des Publikums in der Lutherstadt und in den Gastspielorten orientierte. Viele zusätzliche Auftritte auch unter widrigen Bedingungen und etliche Aktivitäten außerhalb des normalen Spielplans – wie z. B. Seniorennachmittage, Lieder zum Advent, themenbezogene musikalisch-literarische Programme und hunderte ausverkaufte Kabarett-Vorstellungen – ließen das TMT immer mehr ankommen bei seinen Zuschauern.
 
Dann kam die Wende 1989/90, und alles wurde anders. Als erstes brach die Zuschauerstruktur zusammen. "Betriebskollektiv-Anrechte" gab es nicht mehr, da es die Betriebe sehr bald nicht mehr gab. Die Zuschauer hatten plötzlich so viel Neues zu entdecken, hatten plötzlich völlig veränderte Lebenssituationen, so dass ihnen oft einfach die Zeit und Muse fehlte, ins Theater zu gehen.
 
Auch die Abstecherorte wurden immer weniger. Viele oft nur mit Mühe und Not spielfähig gehaltene Kulturhäuser wurden einfach geschlossen oder umgenutzt als Videotheken, Diskotheken oder als Lederwarenverkaufsstellen.
2015 by Kulturwerk Mansfeld-Südharz
VORVERKAUF 03475-602070 oder kartenservice@theater-eisleben.de