• Spielzeit 2016 | 2017

Die Faxenmacher

In Neumanns Memoiren ist nachzulesen, wie er die damalige Situation des Theaters zu Beginn seiner Intendanz einschätzte: Das TMT hatte "… im Lebensgefühl der Bevölkerung noch kein wirkliches Heimatrecht gewonnen. Die abschätzige Bezeichnung 'die Faxenmacher' lebte noch in der Stadt, und im Mansfeld-Kombinat gab es kaum Interesse an den (durchaus nicht so kläglichen) künstlerischen Bemühungen des Theaters. (…) MANSFELD organisierte für seine Besten Familien-Bus-Fahrten zur Leipziger Oper. Da konnte ich von vornherein nicht mithalten."
 
Also verfolgte Neumann in den nächsten Jahren vor allem zwei Ziele: die Beziehungen zum großen Mansfeld-Kombinat zu verbessern und das Theater fester in der Bevölkerung zu verwurzeln.
 
Am 27. März 1965 fand die Premiere von Bertolt Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" statt, einer Ko-Produktion mit dem Berliner Ensemble. Neumann schreibt:
 
"Der Versuch, mit der bereitwilligen Hilfe meines Schulfreundes Manfred Wekwerth hier ein außerordentliches Ereignis zu schaffen, erbrachte nicht die erwünschte Aufmerksamkeit. Manfred schickte Christine Gloger als Shen Te/Shui Ta und Guy de Chambure Marquis de Pelletier sowie Klaus Erforth als Regisseure. (…) Kein Geringerer als Paul Dessau erarbeitete persönlich … die Gesänge, Manfred Wekwerth kam selbst und gab bei den Endproben der Sache den letzten Schliff, und wenn das Theaterchen auch Kopf stand, die Premiere wurde zum bedeutendsten Vorkommnis in seiner Geschichte.
Aber die Plätze, die wir für die Direktion und die SED-Kreisleitung des Kombinats vorgesehen hatten, blieben leer … Dieser Weg führte eben nicht zur Partnerschaft."
 
Durch beharrliche Kleinarbeit und gute Beziehungen zum "General" (dem Generaldirektor Prof. Jentsch) gelang es ihm dann aber doch, im Laufe der Jahre die Beziehungen enger zu knüpfen und den Freundschaftsvertrag zwischen TMT und dem Kombinat mit neuem Leben zu erfüllen.
 
Sein anderes Ziel, die Verwurzelung in der Bevölkerung, verfolgten Gerhard Neumann und seine Chefdramaturgin Margrit Lenk mit einem Spielplan, der sowohl auf Gegenwartsdramatik (dafür gab es 1970 den Hans-Otto-Preis) als auch auf gediegene Unterhaltung setzte.
 
Hier spielt vor allem der Name Helmut Bez eine große Rolle. Der Schauspieler, Fernseh- und Bühnenautor schrieb auch das Libretto der berühmten Operette "Mein Freund Bunbury" zu der Gerd Natschinski die Musik beisteuerte. Mit seiner Inszenierung des "Bunbury" aber auch anderer Operetten und musikalischer Programme feierte Bez große Erfolge in Eisleben, infolgedessen sowohl Margrit Lenk als auch Helmut Bez zu Ehrenmitgliedern des TMT ernannt worden sind.
 
Zwei weitere Ereignisse liegen in der Amtszeit Gerhard Neumanns. So wurde anfangs der 70er Jahre eine zweite Spielstätte im Hause eröffnet: das Foyertheater. Und dann gelang es ihm, einen ganzen Absolventenjahrgang der Schauspielschule Rostock samt dem Lehrer und Regisseur Peter Ibrik an das TMT zu engagieren.
 
Auf Gerhard Neumann, der das Theater verließ, um sich wieder mehr seiner schriftstellerischen Arbeit widmen zu können, folgte 1975 Manfred Müller-Kuhl als Intendant.
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