• Spielzeit 2016 | 2017

Die Kunst dem Volke

Fortan wurden die Besucher-Anrechte unter Leitung des Freien deutschen Gewerkschaftsbundes direkt durch die Betriebsgewerkschaftsleitungen an die Arbeiter vergeben. "Betriebskollektiv-Anrechte" bescherten in den folgenden Jahrzehnten dem Theater oft ausverkaufte Häuser.
 
Am 9. September 1953 sandte der erste Intendant des Thomas-Müntzer-Theaters Herbert Roehmelt seinen Stellenplan an die Regierung der DDR. Er listet 72 Mitarbeiter auf, von denen einige aus der aufgelösten Landesbühne Naumburg kamen. Unter den Mitarbeitern finden sich immerhin 22 Schauspieler. Ein Reiseleiter sollte für die von Anfang an geplanten Abstecher-Gastspiele in den umliegenden Städten und Gemeinden verantwortlich zeichnen.
 
Als Sitz des Theaters wurde die "Terrasse" auserkoren. Da die nötigen Umbauten aber erst noch erfolgen mussten, fand der Gründungsakt am 11. Oktober 1953 im Kulturhaus der Jugend und des Sports, das alle als Wiesenhaus kennen, statt.
 
Wie dem Bezirksorgan der SED, der Tageszeitung "Freiheit", zu entnehmen ist, begrüßte "Intendant Kollege Roehmelt" die Gäste. Alsdann wurde ein Grußtelegramm von Wilhelm Pieck verlesen und schließlich eröffnete "... Kollege Roll vom Rat des Bezirkes das neue Theater im Haus der Jugend und des Sports".
 
Als weitere "Höhepunkte des Abends" nannte die "Freiheit" den Abschluss eines Freundschaftsvertrages zwischen der Kreisleitung der FDJ, dem VEB Mansfeld-Bergbau- und Hüttenkombinat Wilhelm Pieck und dem TMT sowie die anschließende Uraufführung von "Thomas Müntzer in Mühlhausen", eines Schauspiels von Horst Ulrich Wendler.
 
Das Ein-Sparten-Schauspiel-Theater brachte in den ersten Spielzeiten jeweils neun eigene Inszenierungen zur Premiere. Musiktheater wurde eingekauft vom Stadttheater Köthen und vom Carl-Maria-von-Weber-Theater Bernburg.
 
Das Thomas-Müntzer-Theater fungierte von Anfang an als Abstecher-Theater, sein Angebot verschickte es einige Spielzeiten lang sogar unter dem Namen "Landbühne Halle". Erste Gastspiele führten das Ensemble nach Hettstedt und Buna, in das ebenfalls am 11. Oktober 1953 eröffnete Kulturhaus mit der Bezeichnung "X 50"! (In Buna waren alle Gebäude durchnummeriert.)
 
In der "Terrasse" wurde gebaut. Der Tanzsaal erhielt einen schrägen Fußboden und eine feste Bestuhlung. Eine Portalbrücke wurde eingezogen und ein Stellwerk für die Beleuchtung installiert. Und genau hier hakte es: Scheinwerfer fehlten. So schrieb der Abteilungsleiter Kultur Klimm am 13. Oktober 1956 an die DHZ Elektrotechnik- Feinmechanik-Optik Niederlassung Leipzig:
 
"Das Thomas-Müntzer-Theater, das im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes in den letzten 1 ½ Jahren aufgebaut wurde, soll nunmehr am 14. Dezember 1956 eröffnet werden. Dieser Termin muß angesichts der großen Leistungen unserer Werktätigen gemäß Anweisung des Rates des Bezirkes unbedingt eingehalten werden. Wir bitten daher, den von uns gegebenen Eröffnungstermin mit Ihrem Liefertermin auszugleichen und danken Ihnen für Ihre Bemühungen im voraus bestens."
 
Herr Klimm hatte nur bedingt Erfolg, denn die erste Vorstellung im neu eröffneten Haus fand als verspätetes Weihnachtsgeschenk am 25. Dezember statt und hieß: "Der Raub der Sabinerinnen".
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