• Spielzeit 2016 | 2017

Theater in Eisleben

63 Jahre sind eine vergleichsweise lange Zeit. Wollte man auch nur einen Teil der wichtigen Ereignisse und der interessanten künstlerischen Persönlichkeiten – wie es ihnen zustünde – erwähnen ... viele Seiten wären schnell gefüllt.
 
63 Jahre sind aber auch eine vergleichsweise kurze Zeit für ein Theater in Deutschland, wenn man bedenkt, dass es viele deutsche Theater gibt, die auf eine über 150- ja über 200-jährige Tradition verweisen können. Grund ist die deutsche Kleinstaaterei im 18. Jahrhundert. Jeder der circa 1.800 Duodez-Fürsten, der es sich leisten konnte und wollte, schuf sich ein Theater, um seine Herrschaft zu feiern. Noch heute können wir in vielen Städten die Theater-Tempel bewundern.
 
Leider verloren die Mansfelder Grafen weit vor dem 18. Jahrhundert die Herrschaft, und so nimmt es nicht wunder, dass in Eisleben kein säulengeschmückter Tempel steht. Wenn Theater in Eisleben stattfand, dann unter freiem Himmel, im Wiesenhaus und später auch im Mansfelder Hof. Im 18. und 19. Jahrhundert gastierten fahrende Theatertruppen, anfangs des 20. Jahrhunderts gab es erste feste Unternehmungen, die jeweils nur ein paar Jahre Bestand hatten.
 
So führte der unvergessene Alexander Wilhelm Meth von 1917 – 1924 und von 1927 - 1930 Eisleber Theaterunternehmen. Unvergessen ist er den Eisleber Bürgern allerdings wohl eher, weil er als Schauspieler und Sänger bis 1978 auf der Bühne stand, von der er 89-jährig und mit 73 Jahren Bühnenerfahrung abtrat.
 
Gleich nach dem Ende des 2. Weltkrieges gründete der junge Felix Ecke das Eisleber Bürgertheater in der "Terrasse", dem vom Besitzer verlassenen Restaurant mit Tanzsaal an der Landwehr. Mit Stolz kann das Ehrenmitglied des Theaters Dr. Felix Ecke auf die erste Nachkriegstheatergründung verweisen.
 
Da die großen Städte weitgehend zerstört darniederlagen, traten hier viele namhafte Künstler auf. Doch auch dieses Theaterunternehmen währte nicht lange. Chronischer Geldmangel und abwandernde Sänger und Schauspieler, die es nun wieder in die sich neu belebenden Großstädte zog, brachten den Spielbetrieb zum Erliegen. Die seit 1921 in Eisleben wirkende Besucherorganisation Volksbühne ging dazu über, Gastspiele einzukaufen – bis die Geburtsstunde des Thomas-Müntzer-Theaters schlug.
 
Sich auf die Beschlüsse der 2. Parteikonferenz der SED berufend hatte der Rat des Bezirkes Halle im Mai 1953 festgelegt, in Eisleben ein Theater zu gründen, das nicht privatwirtschaftlich geführt werden sollte, sondern als staatliche Institution. Die schwer arbeitenden Kumpel des Mansfeld-Kombinates sollten nach Feierabend unterhalten und gebildet werden. Man handelte also ganz im Sinne der Besucherorganisation Volksbühne nach deren Motto: "Die Kunst dem Volke" – und löste sie danach per Dekret auf.
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