ZUGABE: Ich habe kein Deutschland gefunden

Erzählungen zur Berliner Mauer

30 Jahre Mauerfall

Einar Schleef

Manchem Theater- und insbesondere Literaturfreund ist unser Repertoire noch nicht genug. Um die Teilhabe an Kultur für unser Publikum zu vergrößern, haben wir den Spielplan um unsere „Zugaben“ bereichert. Sie sind das Angebot an Interessierte, besondere bedeutende literarische Texte kennenzulernen. Sie werden auf der Bühne von unserem Ensemble in unterschiedlicher Weise ideenreich präsentiert.  

Deutlicher noch als während der Jahre in der DDR bildet die Berliner Mauer nach Einar Schleefs „Republikflucht“ ein zentrales Motiv in seinen Erzählungen und Tagebuchnotizen. Immer wieder gelangt das Erzähler-Ich an die Mauer. Sie wurde für Schleef zur Qual, zur Obsession.
Der 1944 in Sangerhausen geborene Schleef zog 1964 zum Studium, Malerei und Bühnenbild, nach Ostberlin. 1976 gelangte er als „Republikflüchtling“ in den Westen. Schleef arbeitete als Maler, Bühnenbildner, Regisseur, Darsteller, Fotograf. Als Autor wurde Schleef mit dem Roman „Gertrud“, und dem Groß-Essay „Droge Faust Parsifal“ bekannt. Postum erschien sein fünf Bände umfassendes Tagebuch.

„[…] eine Fahne wurde nicht getragen, […] das wurde ein Problem, als Ruth Berghaus Tragelehn und mich aufforderte, am 1. Mai 1974 teilzunehmen, da würden Schilder getragen mit den Titeln der jeweiligen Inszenierungen, da müßten wir unbedingt dabei sein, gut, ich nickte, ich gab nach […] eine rote Fahne sei da, […] die Intendantin hatte uns angelogen, […] eine rote Fahne, jetzt, ich prüfte den Schaft, Tragelehn roch den Braten […] und kippte um, ich lag am Bordstein […] Rettungswagen, ab nach Hause […]“

© Elfenbein Verlag

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