La fille mal gardée | Die schlecht behütete Tochter

Ballettpantomime in 3 Szenen

Paul Ludwig Hertel Libretto Jean Bercher genannt Dauberval

Ballett der Tatarischen Staatsoper Kasan

Der Stoff von La Fille Mal Gardée („Die schlecht behütete Tochter“) war so populär, dass es gleich drei musikalische Versionen davon gibt; Paul Ludwig Hertel schuf seine Musik für die Berliner Hofoper. Sie ist die Fassung, die im zaristischen Russland fast ausschließlich aufgeführt wurde. La Fille mal gardée war das erste Ballett, in dem eine realistische Handlung auf die Bühne gebracht wurde und keine Götter oder mythologischen Wesen mehr eine Rolle spielen. Die Beliebtheit des Balletts ist leicht zu verstehen, sind doch die unbeschwerte Heiterkeit, der Zauber der ländlichen Idylle und die deftige Komik der Nebenrollen die Basis für Ballettvergnügen pur. Soli und Ensembles geben den Tänzern Gelegenheit, die ganze Palette ihres Könnens zu zeigen, in dem sich Ästhetik und Interpretation die Waage halten. Zu den komischen Höhepunkten des Balletts gehören der Holzschuhtanz der Mutter Simone, üblicherweise von einem Mann getanzt, und die Auftritte des reichen Winzers Thomas. Die Uraufführung fand 1785 kurz vor der französischen Revolution statt. Die liebenswerten Charaktere, der Witz und Humor der Handlung sichert dem Ballett einen festen Platz in den Herzen der Ballettfreunde.

Die Handlung: Das übermütige Mädchen Lise möchte den gutaussehenden Colas heiraten, ihre Mutter hält dagegen nach einem reichen Freier Ausschau. Im Sohn des reichen Winzers Thomas scheint Simone den richtigen Anwärter gefunden zu haben. Dass die beiden Brautleute – die übermütige Lise, die lieber tanzt und sich vergnügt, und der schüchterne Alain – überhaupt nichts voneinander wissen wollen, stört die Eltern nicht. Mit immer neuen Einfällen versteht es Lise sich aus den Fängen der strengen Mutter zu befreien und am Ende ihren Willen durchzusetzen.

Jean Dauberval schuf 1789 die erste Choreografie, die von einem Gemälde von Antoine Baudouin inspiriert worden war. Im 19. Jahrhundert gab es Versionen von Paul Taglioni, Marius Petipa und Lev Ivanov. (Letzterer fühlte sich dem Realismus der Handlung so verpflichtet, dass er lebendige Hühner auf der Bühne verlangte - die eine Rivalin der Primadonna eines Abends aus ihren Käfigen ließ!). Dieses heitere Ballett, beseelt von dem Esprit und der Lebensfreude der “Grande Nation” beschäftigte auch im 20. Jahrhundert immer wieder die Choreographen. Oleg Vinogradovs Fassung entstand für das Kirov Ballett und baute weitgehend auf der traditionellen Produktion von Petipa/Ivanov/Gorsky auf.

Choreographie Oleg Vinogradov

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