ZUGABE | Empfänger unbekannt (Original: Address Unknown)

Ein gelesener Briefwechsel

von Kathrine Kressman Taylor

Manchem Theater- und insbesondere Literaturfreund ist unser Repertoire noch nicht genug. Um die Teilhabe an Kultur für unser Publikum zu vergrößern, haben wir den Spielplan um unsere „Zugaben“ bereichert. Sie sind das Angebot an Interessierte, besondere bedeutende literarische Texte kennenzulernen. Sie werden auf der Bühne von unserem Ensemble in unterschiedlicher Weise ideenreich präsentiert. Die ausgewählten Werke sind sowohl epischer, lyrischer als auch dramatischer Natur. Im Fokus der Literaturauswahl steht der Begriff Heimat. Es geht um unser reichhaltiges kulturelles und politisches Erbe, das sich sowohl in Texten vergangener Epochen, wie auch in der Gegenwartsliteratur spiegelt. Vier Zugaben wurden vorab ausgewählt, die erweitert oder reduziert werden können – wie es die Möglichkeiten des Theaters erlauben. Entdecken wir unsere Heimat Deutschland aufs Neue mit diesen Texten. 

Empfänger unbekannt

Es ist ein Meisterwerk der Erzählkunst. Die Brieferzählung „Adressat unbekannt“ ist ein kleines Buch, aber ein ganz großer Wurf. Dieser große literarische Erfolg der Amerikanerin Kathrine Kressmann Taylor wurde nach 75 Jahren wieder neu aufgelegt und hat an seiner Gewalt nichts eingebüßt. Der knappe Briefwechsel zweier befreundeter Galeristen lässt uns an zwei auseinanderlaufenden Leben und an der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts teilhaben. Was heißt teilhaben? Der Briefwechsel nimmt uns gefangen und überrascht mit seinem genialen Ende. Zwei Freunde haben in den USA eine Galerie. Als Hitler in Deutschland an die Macht kommt, kehrt der eine zurück in seine Heimat nach Deutschland. Der andere, ein Jude, bleibt in den Staaten, um die gemeinsame Galerie weiterzuführen. Der Kontakt zwischen beiden wird auf Grund der politischen Ereignisse per Post gehalten. „Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen“, so Elke Heidenreich, „Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. Adressat unbekannt sollte Schullektüre werden.“

Buchbar als szenische Lesung für Klassenzimmer, Einrichtungen und kleine Bühnen.

demnächst
  • Fr01.03.
    09:30 Uhr
    VFoyerbühne